3/26 Inklusion und Bildung sind Menschenrechte!

Herrn

Gordon Hoffmann, MdL

Designierter Minister für Bildung, Jugend und Sport Land Brandenburg

Inklusion und Bildung sind Menschenrechte!

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Gordon Hoffmann,

die Kürzungen Ihres Amtsvorgängers haben die Schulen in Brandenburg massiv unter Druck gesetzt. Sie treffen insbesondere vulnerable Gruppen in unseren Schulen – Kinder mit Förderbedarf.

Durch die schlechteren Bedingungen für alle Kinder werden Stimmen lauter, die sich für die getrennte Beschulung von Kindern mit und ohne Förderbedarf einsetzen. Diese Stimmen glauben, dass damit die bestehende Bildungskrise gelöst werden könne.

Wirken Sie der weiteren Spaltung unserer Gesellschaft entgegen!

Ein segregatives Bildungssystem verhindert Begegnung und verfälscht den Blick auf eine diverse Gesellschaft. Soziale Ungleichheit wird durch unterschiedliche Bildungs- und Lebenschancen zementiert. Dies widerspricht dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes (Art. 3 Abs. 3 GG): “Niemand darf wegen seiner Behinderung, seiner Herkunft,seines Geschlechts, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft oder seines Glaubensbenachteiligt werden.”

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland zudem dazu verpflichtet, inklusive Bildung als Menschenrecht anzuerkennen. Dazu braucht es konkrete Konzepte für gemeinsames Lernen, multiprofessionelle Teams (z. B.Sonderpädagog:innen und Sozialpädagog:innen), kleinere Klassen und eine verlässliche Finanzierung.

Bitte sorgen Sie dafür, dass diese Rechte umgesetzt werden!

Die schulische Trennung von Kindern mit und ohne Förderbedarf wurzelt tief in der deutschen Geschichte. In der NS-Zeit wurden sogenannte Hilfs- und Sonderschulen systematisch genutzt, um Kinder nach ihrem “Nutzen” und ihrer “Wertigkeit” für die NS-Gesellschaftauszusondern – mit tödlichen Konsequenzen.

Auch nach 1945 blieb dieses getrennte System weitgehend bestehen und wurde weiter ausgebaut, während andere Staaten wie beispielsweise Italien, Finnland, Norwegen und Portugal fortschrittlichere Wege einschlugen. In diesen Ländern lernen heute über 90 Prozentder Kinder mit Förderbedarf in Regelschulen, während dies in Deutschland nur auf 55 – 60 Prozent zutrifft.[1]

Europaweite Vergleichsstudien zeigen, dass das gemeinsame Lernen einen Gewinn für alle Kinder darstellt – mit guten Ergebnissen für Bildungserfolg und sozialer Teilhabe.[2]


Inklusion ist also nicht das Problem. Getrennte Schulsysteme binden personelle und finanzielle Ressourcen, kurzfristig wie langfristig und verhindern eine gute Bildung für alle.Diese Mittel sollten stattdessen in die Stärkung inklusiver Schulen investiert werden.

Gemeinsames Lernen ist aber nicht nur eine pädagogische Frage, sondern auch eine Frage von Demokratie und Gleichwertigkeit: Eine Schule für alle stärkt den Zusammenhalt und eröffnet jedem Kind echte Chancen. Das selbstverständliche gemeinsame Lernen aller Kinder sorgt für gegenseitigen Respekt, baut Unsicherheiten ab und ist die Grundlage für eine tolerante Gesellschaft.

Wenn inklusive Bildung als „gescheitert“ erlebt wird, darf das kein Anlass sein, das Menschenrecht auf Teilhabe aufzugeben. Vielmehr ist es der Auftrag, Inklusion endlich besser umzusetzen.

[1] https://www.european-agency.org/resources/publications/EASIE-2022-2023-CCR[15.03.2026]

[2] https://www.oecd.org/en/publications/education-policy-outlook-2025_c3f402ba-en.html[15.03.2026]

Brandenburg, den 18.03.2026

Eltern gegen Rechts

Eltern gegen Rechts Landkreis Märkisch-Oderland

Eltern gegen Rechts Landkreis Oberhavel

Eltern gegen Rechts Ortsgruppe Potsdam

Eltern gegen Rechts Ortsgruppe Prignitz